Schwammbefall und holzzerstörende Pilze - Institut für Umwelt und Baubiologie Schimmelpilze HausschwammWasserschaden Gutachter Sachverständiger in Velbert

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Schwammbefall und holzzerstörende Pilze


Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)

Der bekannteste und zugleich auch gefährlichste Holzzerstörer ist der echte Hausschwamm (Serpula lacrymans). Eine Meldepflicht besteht in den meisten Bundesländern inzwischen nicht mehr.

Dieser Schwamm zerstört bevorzugt feuchtes Holz, befällt aber auch trockenes Holz und sogar Mauerwerk. Der echte Hausschwamm ist empfindlich gegenüber Witterungseinflüssen und breitet sich daher häufig, oft lange Zeit unbemerkt, z. B. hinter Wandverkleidungen, unter Fußböden oder in Zwischendecken aus (Foto 1). Er tritt oft in Altbauten mit Schäden an der Bausubstanz auf, durch die Feuchtigkeit in das dort verbaute Holz eindringt.
Foto 1: Hausschwammbefall (altes Myzel) unter einem Dielenboden über einem feuchten Gewölbekeller
Foto 2: frischer Hausschwammbefall auf Ziegelmauerwerk
Foto 3: Hausschwammbefall in einem Keller durch feucht eingelagertem Holz
Foto 4: Detail zu Foto 3
Die Fruchtkörper, die sehr groß werden können, haben je nach Alter und Wachstumsbedingungen in der Mitte eine orangerote bis rotbraune Fruchtschicht und einen weißen Zuwachsrand (Fotos 3 bis 6). Sie lassen sich relativ leicht vom Substrat ablösen.
Foto 5: Fruchtkörper in einem Keller. Der Schwammbefall reichte bis in die 2. Etage
Foto 6: Fruchtkörper in einem Möbelstück, das vor einer durchfeuchteten Außenwand stand

Für sein Wachstum benötigt der echte Hausschwamm eine niedrigere Holzfeuchtigkeit als andere Holz zerstörende Pilze. Sie liegt bei etwa 30%. Er kann aber unter Umständen auch Holz mit einer geringeren Holzfeuchte von etwa 20% angreifen. Er wächst in einem Temperaturbereich zwischen etwa 3°C und 26°C, mit optimalen Wachstumstemperaturen von ca. 18°C bis 20°C. Sein Myzel (Geflecht) kann über weite Strecken die unterschiedlichsten Substrate durchwachsen und die lebensnotwendige Feuchtigkeit transportieren, bis es weiteres Holz erreicht.

Daher ist bei diesem Schwamm eine besonders sorgfältige Überprüfung der weiteren Umgebung in alle Richtungen sehr wichtig, um möglicherweise weiter entfernte Befallsstellen nicht zu übersehen. Es gibt Fälle, besonders in Gebäuden mit Holzbalkendecken, in denen sich der echte Hausschwamm über mehrere Etagen ausgebreitet hat. Auch ein alter, (weitgehend) inaktiver Hausschwammbefall kann u. U. reaktiviert werden. Seine Bekämpfung erfolgt nach den Vorgaben der DIN 68800. Holz muss mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand (mindestens 1 Meter in alle Richtungen über den sichtbaren Befall hinaus) ausgetauscht werden. Da eine nicht fachgerechte Sanierung u. U. die Bausubstanz und die Stabilität des Gebäudes gefährden kann, sollten diese Arbeiten nicht im do-it-yourself Verfahren erfolgen, sondern nur von einem auf diesem Gebiet erfahrenen und zertifizierten Spezial-Unternehmen durchgeführt und möglichst von einem Sachverständigen begleitet werden (siehe unten: Schwammbekämpfung).        

Hausschwamm ist nicht nur eine Gefahr für die Bausubstanz sondern u. U. auch für die Gesundheit, da seine Sporen Allergien auslösen und seine gasförmigen Stoffwechselprodukte Kopfschmerzen oder Übelkeit hervorrufen können.


Gelbrandiger Hausschwamm (Leucogryophana pinastri)

Der gelbrandige Hausschwamm (Leucogryophana pinastri, Serpula pinastri) ist mit dem echten Hausschwamm eng verwandt und verfügt über ein etwas geringeres Zerstörungspotenzial. Er benötigt allerdings eine höhere Holzfeuchtigkeit als der echte Hausschwamm und kann keine größeren holzfreien Strecken überbrücken. Man findet diesen Hausschwamm häufig nach einer massiven Durchfeuchtung, z.B. nach einem Wasserschaden. Bei fortschreitender Austrocknung ohne fachgerechte Sanierung kann der gelbrandige Hausschwamm zum Wegbereiter für den echten Hausschwamm werden. Er muss ebenfalls entsprechend der DIN 68 800 bekämpft werden.

Sein Fruchtkörper hat im Gegensatz zum echten Hausschwamm eine gelbliche Zone am Zuwachsrand. In der Laborkultur entwickelt er sich in charakteristischer Weise anders als der echte Hausschwamm, so dass diese beiden Schwammarten voneinander unterschieden werden können.
Foto 7: Gelbrandiger Hausschwamm an der Holzdecke einer Garage
Foto 8: Teile von Myzel und Fruchtkörper auf einem Holzbrett
Fotos 9 und 10: beginnender Schwammbefall auf
durchfeuchtetem Holz
Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana)

Der braune Kellerschwamm (Coniophora puteana) hat einen relativ hohen Feuchtigkeitsbedarf von 50% bis 60%. Sein Temperaturoptimum liegt etwa bei 22°C bis 24°C. Durch ihn ist alles Holz im Bereich feuchter Mauern, z. B. Balkenköpfe, feuchter Böden (Fußböden und Balkendecken z. B. in Bädern, Küchen, Toiletten), sowie alles Holz in Räumen mit starker Wasserdampfentwicklung gefährdet. Das Myzel des Kellerschwamms ist zunächst weißlich und wird mit zunehmendem Alter zunächst graubraun und dann dunkelbraun. Die wurzelartig verzweigten Stränge haften der Unterlage fest an.
Foto 11: Kellerschwamm
Er tritt nicht selten in Neubauten auf, z. B. wenn Fußböden zu früh auf noch feuchtem Estrich verlegt und luftdícht, z. B. durch Linoleum oder PVC-Bodenbeläge, abgeschlossen wurden. Seine Existenz bleibt meist lange unbemerkt, da auf den Außenflächen des Holzes keine oder nur diskrete Anzeichen für eine Zerstörung erkennbar sind, während das Holz auf der Unterseite schon verfault sein kann. Bei Austrocknung ohne fachgerechte Sanierung kann auch dieser Schwamm Wegbereiter des echten Hausschwamms sein.
Weißer Porenschwamm (Poria vaillantii)

Porenschwämme wachsen in einem breiten Temperaturbereich von 3°C bis etwa 40°C. Ihre optimale Wachstumstemperatur liegt bei etwa 27°C. Der bevorzugt auf Nadelholz vorkommende weiße Porenschwamm (Poria vaillantii) und weitere Porenschwämme befallen Holz mit einer optimalen Feuchtigkeit von etwa 40%.
Foto 12: Porenschwamm und Schimmelpilze auf der Rückseite einer Holzfaserplatte
Mit dem Austrocknen des Holzes stellen Porenschwämme das Wachstum ein, können aber auch mittels Trockenstarre u. U. jahrelang überdauern, so dass auch hiervon die Gefahr eines Wiederauflebens des Befalls ausgeht. Wie beim Hauschwamm und Kellerschwamm entsteht Braunfäule mit Würfelbruch. Fruchtkörper finden sich selten. Das Schwamm-Myzel breitet sich eisblumenartig aus.
Holz zerstörende Moderfäulepilze

Als Beispiel für Moderfäulepilze seien hier nur Chaetomium und Paecilomyces erwähnt. Moderfäulepilze sind auf Pflanzen, Holz und im Boden verbreitet. Moderfäule dringt von außen in das Holz vor. Innerhalb der Zellwand werden Cellulose und Hemicellulosen abgebaut. Feuchtes Holz färbt sich dunkel und wird an der Oberfläche modrig-weich (daher der Name Moderfäule). Trockenes Holz zeigt Würfelbruch und eine feinrissige Oberfläche. Die Feuchtetoleranz von Moderfäulepilzen reicht von ständig nassem Holz bis zur Trockenstarre.
Foto 13: Sporen von Chaetomium unter dem Mikroskop
Foto 14: Geschädigter Holzbalken
Einige ausgewählte Schadensbilder
Foto 15: Hausschwammbefall im Mauerwerk hinter einer Wandverkleidung

Foto 16: Hausschwamm- und Schimmelpilzbefall auf einer durchfeuchteten Außenwand durch ein lange Zeit undichtes Dach. Unterhalb der Decke haben sich Fruchtkörper gebildet. Auf der Tapete sieht man nur leichte Verfärbungen.
Schwammbekämpfung

Ohne die Situation vor Ort und das Ausmaß eines Schwammbefalls zu kennen, sind keine spezifischen Sanierungsempfehlungen möglich. Daher sind hier nur einige allgemeine Hinweise aufgelistet.

Grundvoraussetzung für eine dauerhafte Schwammbekämpfung (dies gilt nicht nur für den echten Hausschwamm sondern auch für andere Schwammarten und weitere Holz zerstörende Pilze) ist die Beseitigung der Feuchtigkeitsursache(n). Diese können z. B. sein: aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk, Schäden der Gebäudehülle, z. B. der Fassade oder des Dachs, der Einbau von nassen Baumaterialien. Auch das  Wiederverwenden von (befallenen) Baumaterialien, wie es nach dem 2. Weltkrieg häufig der Fall war, eine mangelnde Austrocknung des Gebäudes, Tauwasserbildung,  Undichtigkeiten von Wasser- oder Heizungsrohren, Rohrbrüche, sowie übergelaufene Wasch- oder Spülmaschinen und verstopfte Regenwasserabflüsse können Grundlage für Schwammbefall sein. Besonders häufig tritt erneut Schwammbefall auf, wenn Sanierungsfehler vorliegen, z. B. wenn kein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten wurde, infiziertes Holz verblieben ist, oder Befallsstellen übersehen wurden.  

Bei einem Verdacht auf Hausschwammbefall sollte auf jeden Fall ein erfahrenes, für die Bekämpfung von Hauschwamm zertifiziertes Fachunternehmen und ggf. ein Sachverständiger hinzugezogen werden. Je nachdem, welche Bauteile betroffen sind, können auch statische Probleme auftreten. Daher ist es häufig erforderlich, einen Statiker beratend bei der Sanierung einzubeziehen.
Fotos 17 und 18: Schwammbefall an neu eingebautem Holz im
verblieben)
Deckenbereich nach Sanierungsfehlern (Befallenes Holz ist
Auch wenn in fast allen Bundesländern keine Meldepflicht mehr besteht, ist eine Sanierung nach DIN 68800 erforderlich. Hausschwamm muss entsprechend der DIN 68800 (Holzschutz im Hochbau) bekämpft werden. Das befallene Holz muss mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand (mindestens 1 m) über den erkennbaren Befall hinaus ausgetauscht werden.

Auch die übrigen Baumaterialien, z. B. Fugenmörtel, Schüttungen müssen entfernt werden. Da das Myzel (Pilzgeflecht) meist auch in die angrenzenden Mauerwerksfugen eingewachsen ist, müssen diese zumindest in der Umgebung des Schwammbefalls ausgekratzt werden. Feine Myzelstränge können von Laien z. B. mit Spinngewebe verwechselt werden.

Das Mauerwerk muss mit für die Schwammbekämpfung zugelassenen Mitteln behandelt werden, z. B. mittels Bohrlochtränkung. Das verbliebene bzw. neu eingebrachte Holz muss ebenfalls mit einem amtlich zugelassenen Holzschutzmittel behandelt werden.

Da ein Schwamm u. U. über Jahre in einer sogenannten Trockenstarre verbleiben kann, um dann bei günstigen Lebensbedingungen wieder aktiv zu werden, ist auch bei einem nicht (mehr) aktiven Schwammbefall eine grundlegende Sanierung erforderlich.

Das Abflämmen des Mauerwerks reicht zur Abtötung des Schwamms nicht aus. Laborversuche haben gezeigt, dass zwar das Schwamm-Myzel bei Temperaturen um 60 °C abgetötet wird, die Schwammsporen aber wesentlich resistenter gegen Hitze sind, so dass ein Wiederaufleben des Befalls nicht auszuschließen ist.

Die Sanierung eines Kellerschwammbefalls erfolgt primär durch Austrocknen des befallenen Baumaterials, da dieser Schwamm trockenes Holz nicht zerstört. Morsches Holz muss jedoch entfernt werden. Da eine erneute Befeuchtung des Holzes jedoch nicht auszuschließen ist, sollte das verbliebene sowie das neu eingebaute Holz mit einem hierfür zugelassenen Holzschutzmittel behandelt werden.

Eine Hausschwammbekämpfung (auch bei anderen Schwammarten) sollte grundsätzlich nicht im Do-it-yourself-Verfahren erfolgen, sondern von einem erfahrenen, sachkundigen Fachunternehmen durchgeführt und möglichst von einem Bausachverständigen begleitet werden. Dieser dokumentiert auch den Sanierungsfortschritt und erstellt nach Abschluss der Maßnahmen einen Bericht. Dieser ist z. B. wichtig, wenn das Gebäude verkauft werden soll.


Laboruntersuchung

Eine Laboruntersuchung von (möglicherweise) Schwamm befallenem Material, z. B. Holz, Mörtel, Putz, Mauerwerk, Schüttungen, mit Anzucht auf Spezial-Nährböden gibt Aufschluss darüber, ob ein vitaler (aktiver) Schwammbefall vorliegt und um welchen Schwamm oder andere Holz zerstörende Pilze es sich handelt. Da die damit vergesellschafteten Schimmelpilze ebenfalls identifiziert werden, können auch die Gesundheitsrisiken bewertet werden. Der erforderliche Sanierungsaufwand kann aufgrund dieser Ergebnisse besser den Gegebenheiten vor Ort angepasst werden.


Weiterführende Literatur

  • Dietger Grosser: Pflanzliche und tierische Bau- und Werkholzschädlinge; DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen (1985); ISBN 3-87181-312-5

  • Olaf Schmidt‚ Tobias Huckfeldt: Hausfäule- und Bauholzpilze, Diagnose und Sanierung; Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, 2. Auflage 2015

  • Olaf Schmidt: Holz- und Baumpilze. Biologie, Schäden, Schutz, Nutzen; Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York (1994); ISBN 3-540-57334-8

  • DIN 68800: Holzschutz - Teil 4: Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten Ausgabe 2012-02
 
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