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Raumklima

Feuchtigkeit

Als Luftfeuchtigkeit wird das in der Luft enthaltene unsichtbare gasförmige Wasser bezeichnet. Mit steigenden Temperaturen kann die Luft auch zunehmende Mengen gasförmigen Wassers aufnehmen. Dies kann zu einer steigenden absoluten Wassermenge in der Luft [in g Wasser / m³ Luft] führen. Voraussetzung dafür ist ein Wasserreservoir, aus dem Wasser verdampft.

Von dieser absoluten Wassermenge muss die relative Luftfeuchtigkeit unterschieden werden. Ist die Luft an gasförmigem Wasser gesättigt, schlägt sich Wasser in flüssiger Form nieder. Die Sättigungsgrenze wird als 100% relative Luftfeuchtigkeit bezeichnet und ist temperaturabhängig. Wird das Wasser in der Luft sichtbar als Nebel, Wasserdampf aus Schornsteinen oder gar als Regen, sind die 100% relative Luftfeuchtigkeit überschritten, und flüssiges Wasser in Form von kleinen Tröpfchen befindet sich in der Luft. Bei gleich bleibender absoluter Wassermenge in der Luft nimmt die relative Luftfeuchtigkeit mit steigender Temperatur ab bzw. bei sinkender Temperatur zu.

Wird relativ trockene Luft abgekühlt oder trifft sie auf kalte Flächen, steigt die relative Luftfeuchtigkeit dementsprechend. Das kann soweit führen, dass der Taupunkt, die Temperatur, bei der 100 % relative Luftfeuchtigkeit erreicht wird, unterschritten wird und sich das Wasser niederschlägt. Auf diese Art können in Räumen, die häufiger wechselnder Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind, feuchte Stellen entstehen, an denen sich Schimmelpilze ansiedeln können. Entsprechend kühlen in lange Zeit nicht geheizten Räumen die Wände stark aus, und Kondensationsfeuchtigkeit tritt dort auf.

Der Mensch fühlt sich wohl bei einer Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60%. Darunter ist ihm die Luft "zu trocken", darüber "zu schwül". Mit einem Thermo-Hygrometer kann man leicht selbst überprüfen, ob  das Raumklima in Ordnung ist. Die Räume sollten nicht zu stark auskühlen und die Luftfeuchtigkeit möglichst im Bereich zwischen 45 % und 55 % liegen. Die Untergrenze, bei der Schimmelpilze gut wachsen können, liegt bei 65-70 %. Das Raumklima kann durch das Aufstellen eines Thermo-Hygrometers kontrolliert werden.

Zur Vorbeugung gegen Schimmelbefall hilft am besten regelmäßiges Lüften. Hierbei sollten die Fenster zwei- bis dreimal am Tag für einige Minuten weit geöffnet werden (am besten mit Durchzug) und nicht stundenlang "auf Kippe" gestellt werden. Bei letzterer Maßnahme ist der Luftaustausch deutlich weniger effektiv und kühlt die Umgebung des Fensters stark aus und begünstigt die Entstehung von Schimmelpilzbefall. Schlafräume, die in der Regel weniger temperiert werden als die übrigen Wohnräume, sind besonders anfällig für Schimmelbefall. Wichtig ist es, den Raum vor dem Zubettgehen für einige Minuten mit weit geöffneten Fenstern gründlich durchzulüften und auch am Morgen nach dem Aufstehen für einen effektiven Luftaustausch zu sorgen.

In Bädern und Duschen werden bei der Nutzung sehr hohe Feuchtigkeitswerte erreicht. Sofern nicht anschließend nach außen hin genügend entlüftet werden kann, liegen ideale Bedingungen für Schimmelwachstum vor. Besonders an etwas rauhen Oberflächen wie Kachelfugen oder Silikondichtungen siedeln sich die Schimmelpilze an. Liegen Waschräume, Bäder oder Duschen zentral im Gebäude ohne Fenster nach außen, so sollten sie nicht in die anderen Räume entlüftet werden. Ein in solchen innen liegenden Bädern meist installierter Abluftventilator muss regelmäßig überprüft und gereinigt werden, da sich auf der Filtermatte Schimmelpilzsporen anreichern. Diese Filter müssen regelmäßig ausgetauscht werden.

Um einen (wiederholten) Schimmelbefall zu verhindern, muss auf jeden Fall für eine Beseitigung der Feuchtigkeitsquellen zu gesorgt werden. Bestehen bauliche Mängel, so sind diese so schnell wie möglich zu sanieren. Auch das Nutzerverhalten muss kritisch hinterfragt und möglicherweise geändert werden. Solange die Voraussetzungen für Feuchtigkeitsbildung nicht abgestellt sind, lässt sich der Schimmelbefall nicht wirksam beseitigen, sondern er tritt immer wieder auf. "Übertünchen" hilft nicht weiter, das Problem wird damit nur versteckt.

Um feuchte Stellen möglichst schnell zu trocknen, hilft neben dem Lüften Wärme, also eine möglichst hohe Heizleistung bzw. der Einsatz von Trocknungsgeräten. Das ist natürlich bei steigenden Energiepreisen keine Dauerlösung des Problems. Helfen kann dies nur bei einmaligen Wassereinbrüchen oder auch zum Austrocknen des Mauerwerks von Neubauten vor dem Bezug. Leider ist das langfristige Leerstehen zum Austrocknen des Mauerwerks aus wirtschaftlichen und terminlichen Gründen oft nicht durchführbar. Deshalb muss beim Bezug von noch baufeuchten Wohnungen darauf geachtet werden, dass das noch feuchte Mauerwerk nicht versiegelt wird, z.B. durch Wandverkleidungen oder versiegelnde Anstriche. Möbel sollten mit ausreichendem Wandabstand aufgestellt werden, damit die Luft dahinter noch zirkulieren kann.

Um Energie zu sparen (Energiepass) sollten veraltete Heizungen, z.B. Nachtspeicher oder Öl- bzw. Gaseinzelöfen, gegen neue, umweltfreundliche und effiziente Heizungen ausgetauscht werden. Außerdem empfehlen sich fachgerecht durchgeführte Isolierungsmaßnahmen der Fassade. Eine Untersuchung des Gebäudes mittels Thermografie zeigt die Schwachstellen der Gebäudehülle auf, an denen ein Wärmeverlust auftritt. Eine Wärmedämmung des Gebäudes ist eine effektive, aber auch nicht billige Maßnahme. Bei Altbauten werden diese Isolierungsmaßnahmen oft nachträglich ausgeführt. Dabei muss darauf geachtet werden, dass keine Innenisolierungen, z.B. Rigips, Styropor oder Holzverkleidungen, an feuchten Wänden durchgeführt werden. Ansonsten wird die Feuchtigkeit im Mauerwerk festgehalten und kann zu verstecktem Schimmelbefall hinter der Verkleidung führen. Dies wird häufig erst zu spät entdeckt und bedingt dann teure bauliche Maßnahmen. Empfehlenswert sind dagegen Kalzium-Silikat-Klimaplatten.

Hat sich erst einmal Schimmel gebildet, so muss dieser vollständig entfernt werden. Ist nur die Oberfläche befallen, kann der Befall z. B. durch Abkratzen, Entfernen von Tapete, Putz oder Fugendichtmasse mit anschließender vollständiger Austrocknung beseitigt werden. Maßnahmen wie das Behandeln mit pilztötenden (fungiziden) Chemikalien, 70%igem Alkohol helfen in der Regel nur kurzfristig bzw. bei einem relativ geringen oberflächlichen Befall. Chemische Mittel auf Chlorbasis sind gesundheitlich bedenklich und sollten in Wohnräumen nicht verwendet werden. Durch die Bleichwirkung von Chlor "verschwindet" der Schimmel, tritt aber wieder in Erscheinung, wenn der Wirkstoff aufgebraucht ist und weiterhin ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass Mittel auf Chlorbasis nicht gleichzeitig bzw. zeitnah mit säurehaltigen Reinigungsmitteln, z.B. Essigreiniger, verwendet werden, da sonst u. U. gesundheitsschädliches Chlorgas entstehen kann.   Gesundheitlich unbedenklich und dennoch effektiv sind Mittel auf der Basis von Wasserstoffperoxid oder Fruchtsäuren.

Existiert der Schimmelpilzbefall schon längere Zeit vor dem Entdecken, so hilft oft nicht mehr das oberflächliche Entfernen, da er mit seinem Pilzgeflecht schon tief in den Untergrund eingedrungen ist. In solchen Fällen sind dann häufig nur größere bauliche Maßnahmen erfolgreich, da sonst der Pilz aus dem Untergrund immer wieder an die Oberfläche dringt. Am wichtigsten ist auch hier, dass die Feuchtigkeitsursachen beseitigt werden, um den Pilzen die Lebensgrundlagen zu entziehen. Bei großen Schäden sollten die Sanierungsarbeiten möglichst nicht im Do-it-yourself-Verfahren, sondern von einem erfahrenen Fachunternehmen durchgeführt werden bzw. von einem Bausachverständigen begleitet werden. Eine nicht fachgerechte bzw. nicht ausreichende Sanierung kann zu kostenintensiven Folgeschäden führen.

 
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